Hebel und Margin: Das Engagement ist nicht die Einlage
Trennen Sie Sicherheiten von Risiko und erkennen Sie, wie eine kleine Währungsbewegung zu einer großen Kontobewegung werden kann.

Die Einlage ist nicht die Position
Die Margin ist eine Sicherheit für die Position, nicht deren vollständiger Wert. Der Hebel beschreibt das Verhältnis zwischen dem Marktengagement und dem Eigenkapital, das dieses Engagement trägt. Stehen auf einem hypothetischen Konto 1.000 Dollar Eigenkapital einer Position im Gegenwert von 20.000 Dollar gegenüber, beträgt der Hebel 20. Der Anbieter verlangt möglicherweise nur einen Teil des Eigenkapitals als Anfangsmargin. Daraus lässt sich jedoch kein Höchstverlust ableiten.
Die entscheidende Frage lautet nicht, welchen Betrag die Plattform maximal zulässt, sondern wie eine ungünstige Bewegung das Eigenkapital verändert. Bei einem Hebel von 20 führt ein Kursverlust von 1 % bei einem einfachen linearen Vertrag näherungsweise zu 20 % Verlust des anfänglichen Eigenkapitals, vor Kosten und ohne zusätzliche Umrechnungseffekte. Günstige Bewegungen werden entsprechend verstärkt. Der Hebel verändert aber nicht die Wahrscheinlichkeit der jeweiligen Richtung.
Der effektive Hebel kann steigen, ohne dass eine neue Position eröffnet wird. Bleibt das Engagement ungefähr bei 20.000 Dollar, während das Eigenkapital von 1.000 auf 800 Dollar fällt, steigt das Verhältnis von 20 auf 25. Ein weiterer Verlust von 200 Dollar würde nun 25 % des verbleibenden Eigenkapitals aufzehren. Der kleiner werdende Nenner macht eine Verlustserie zunehmend belastend.
Das Eigenkapital verändert sich während des offenen Trades
Der Kontostand umfasst üblicherweise bereits verbuchte Geldbewegungen; das Eigenkapital berücksichtigt zusätzlich die laufenden Gewinne und Verluste offener Positionen. Die genaue Terminologie hängt vom Anbieter ab. Eine verlustreiche Position kann die freie Margin verringern, obwohl sie noch gar nicht geschlossen wurde. Damit sinkt der Spielraum für weitere ungünstige Bewegungen. Bei mehreren Positionen zählt die Gesamtsituation des Kontos, nicht die isolierte Betrachtung jeder Order.
Anbieter wenden die im Vertrag und in den geltenden Vorschriften festgelegten Margin- und Glattstellungsregeln an. Fällt das Eigenkapital unter die maßgebliche Schwelle, können Positionen automatisch geschlossen werden, ohne eine Reaktion auf eine Warnmeldung abzuwarten. Welche Position zuerst geschlossen wird, wie die Schwelle berechnet wird und welche Ausführung möglich ist, muss in einer realistischen Simulation berücksichtigt werden.
Ein vereinfachtes Konto startet mit 2.000 Dollar Eigenkapital und 800 Dollar gebundener Margin; frei bleiben 1.200 Dollar. Ein offener Verlust von 500 Dollar senkt die freie Margin bei unveränderter Anforderung auf 700 Dollar. Steigt die Margin-Anforderung zugleich auf 1.200 Dollar, bleiben nur 300 Dollar frei. Kursverluste und geänderte Sicherheitsanforderungen können den Spielraum also gleichzeitig verkleinern.
Ein Stop ist keine zusätzliche Sicherheit
Eine Stop-Loss-Order senkt nicht zwangsläufig die geforderte Margin und garantiert keinen Ausstieg zum vorgesehenen Kurs. Bei einer Kurslücke kann der Markt den Stop überspringen. Wird nach dem Auslösen eine Marktorder erteilt, erfolgt die Ausführung zu den dann verfügbaren Preisen. Eine Stop-Limit-Order setzt zwar eine Preisgrenze, kann dafür aber unausgeführt bleiben.
Ein Schutz vor negativem Kontostand besteht nur für bestimmte Produkte, Rechtsordnungen und Kundengruppen. Er gilt nicht überall und verhindert auch nicht, dass das Guthaben eines Kontos vollständig verloren geht. Ein Wechsel zu einem anderen, etwa im Ausland ansässigen Rechtsträger oder zu einer anderen Kundenklassifizierung kann die Schutzregeln verändern. Prüfen Sie deshalb den tatsächlichen Vertragspartner und Vertrag, nicht nur den bekannten Markennamen.
Das Konto einem Stresstest unterziehen, nicht nur den Trade
Beginnen Sie einen hypothetischen Stresstest mit dem gesamten Eigenkapital, nicht nur mit der gerade freien Margin. Erfassen Sie alle Positionen, ihre gemeinsamen Währungsrisiken und mehrere ungünstige Szenarien. Long-Positionen in EUR/USD und GBP/USD enthalten beispielsweise beide eine Short-Dollar-Komponente. Trotz unterschiedlicher Kürzel können ihre Verluste deshalb gleichzeitig auftreten.
Berücksichtigen Sie Kosten und einen schlechteren als geplanten Ausstieg. Finanzierung mindert Eigenkapital während der Haltedauer, und Spreads können bei nachlassender Liquidität wachsen. Ein Szenario ist weder Prognose noch präziser schlimmster Fall; Extremereignisse können gewählte Szenarien übertreffen. Sein Wert liegt darin, Annahmen offenzulegen, die sonst hinter einer kleinen Pflichteinlage verborgen bleiben.
Wirtschaftlich gegenläufige Positionen werden nicht zwangsläufig auch bei der Besicherung verrechnet. Liegen sie bei verschiedenen Anbietern, kann ein Gewinn auf dem einen Konto zu spät verfügbar sein, um eine Margin-Forderung auf dem anderen zu erfüllen. Prüfen Sie deshalb neben dem Gesamtergebnis auch, wo das Geld liegt und wann es transferiert werden kann. Eine sofortige Verrechnung in der Tabelle ersetzt keine rechtlich und operativ mögliche Verrechnung.
Den Zweck klar halten
Ein Hebel vergrößert das Ergebnis, verbessert aber nicht die zugrunde liegende Analyse. Eine überzeugende Begründung kann falsch sein, zu früh kommen oder sich zu den angenommenen Preisen nicht umsetzen lassen. Beim Lernen ist es deshalb wichtiger, einen möglichen Verlust nachvollziehbar berechnen zu können, als den höchstmöglichen Hebel auszuschöpfen.