Kassageschäfte, Forwards, Futures und CFDs: den Vertrag kennen
Dieselbe Einschätzung einer Währung kann je nach eingesetztem Instrument sehr unterschiedliche Verpflichtungen erzeugen.

Beim rechtlichen Engagement beginnen
Das Kürzel eines Währungspaars beschreibt ein Preisverhältnis, nicht den rechtlichen Vertrag dahinter. Zwei Handelsoberflächen können EUR/USD anzeigen, obwohl die eine den Tausch von Währungsguthaben und die andere ein gehebeltes Derivat abbildet. Klären Sie deshalb vor jeder Ergebnisrechnung, was Sie tatsächlich besitzen, was Sie schulden, wer Ihre Gegenpartei ist und wann Zahlungen oder Lieferungen fällig werden.
Dabei geht es nicht nur um Begriffe. Der Vertrag regelt, ob eine Lieferung vorgesehen ist, welche Sicherheiten verlangt werden, wie Gewinne und Verluste ausgeglichen werden und was bei einem Ausfall des Anbieters geschieht. Ein vertrauter Chart beantwortet keine dieser Fragen. Maßgeblich sind die Vereinbarung und die Produktspezifikationen.
Trennen Sie Wiederbeschaffungsrisiko und Erfüllungsrisiko. Fällt die Gegenpartei aus, kann es Geld kosten, einen für Sie günstigen Vertrag zu ersetzen. Bei der eigentlichen Abwicklung besteht außerdem das Risiko, die eigene Währung bereits bezahlt zu haben, ohne die andere zu erhalten. Payment-versus-Payment-Verfahren verknüpfen die beiden Währungstransfers miteinander und verringern so das Erfüllungsrisiko. Andere Kredit-, Liquiditäts- oder Betriebsrisiken verschwinden dadurch nicht vollständig.
Kassageschäfte und Forwards
Bei einem lieferbaren Kassageschäft wird ein Währungstausch für den maßgeblichen kurzfristigen Abwicklungstermin vereinbart. Welcher Termin das ist, hängt vom Währungspaar und den beteiligten Feiertagskalendern ab. Ein Forward legt dagegen heute den Kurs für einen späteren Tausch fest. Ein Unternehmen kann damit beispielsweise den Betrag in seiner Heimatwährung planbarer machen, den es für eine künftige Fremdwährungsrechnung benötigt.
Eine Absicherung verändert die Verteilung möglicher Ergebnisse; sie erzeugt keinen kostenlosen Gewinn. Entwickelt sich der spätere Marktkurs günstiger, verzichtet das abgesicherte Unternehmen auf diesen Vorteil. Vergleichen Sie deshalb stets Sicherungsgeschäft und zugrunde liegende Rechnung gemeinsam. Ein isolierter Verlust des Forwards kann durch eine entsprechend günstigere Geschäftszahlung ausgeglichen werden.
Ein Non-Deliverable Forward, kurz NDF, wird üblicherweise durch einen Differenzbetrag auf Basis eines vereinbarten Referenzkurses ausgeglichen, statt beide Währungsbeträge zu liefern. Referenzkurs, Feststellungstag und Abrechnungswährung gehören deshalb zu seinen wesentlichen Bedingungen. Benötigt ein Unternehmen die lokale Währung tatsächlich zur Rechnungszahlung, kann trotz des NDF eine separate Umrechnung nötig sein. Ein wirtschaftlicher Ausgleich liefert nicht automatisch das benötigte Guthaben.
Börsengehandelte Futures
Futures haben standardisierte Vertragsbedingungen und werden an einer Börse mit zugehörigen Clearing-Vereinbarungen gehandelt. Kontraktgröße, kleinster Kursschritt, Fälligkeit und Abwicklung sind festgelegt. Margin und der tägliche Ausgleich von Gewinnen und Verlusten können bereits Liquidität erfordern, bevor die abgesicherte Geschäftszahlung eingeht. Ein wirtschaftlich besser planbares Endergebnis bedeutet deshalb nicht, dass zwischenzeitlich kein Finanzierungsbedarf entsteht.
Eine Futures-Absicherung passt nicht unbedingt genau zur betrieblichen Verpflichtung. Betrag, Notierungsrichtung oder Zahlungstermin können abweichen und ein Basisrisiko hinterlassen. Auch der Verfall ist wichtig: Eine länger benötigte Position muss gegebenenfalls in einen späteren Kontrakt gerollt werden. Bei physisch erfüllten Kontrakten können zudem Lieferpflichten entstehen, wenn die Position bis in den maßgeblichen Abwicklungsprozess hinein gehalten wird.
Auch eine gut passende Futures-Absicherung kann zwischenzeitlich Geld verlangen. Der Future verliert heute an Wert, während die später fällige Rechnung wirtschaftlich günstiger wird. Die künftige Ersparnis steht jedoch nicht unbedingt für die heutige Variation Margin bereit. Ein Forward kann andere Besicherungsregeln haben, ist aber nicht grundsätzlich frei von Sicherheitenanforderungen. Vergleichen Sie daher die Zahlungszeitpunkte und nicht nur das Ergebnis am Ende.
Rollierende Privatkundenkontrakte und CFDs
Rollierende Forex-Produkte für Privatkunden vermitteln meist eine fortlaufende Beteiligung an Kursveränderungen und keinen einfachen Tausch frei verfügbarer Währungsguthaben. Ein CFD ist ein Vertrag über eine Preisdifferenz; er begründet selbst kein Eigentum am zugrunde liegenden Vermögenswert. Je nach Produkt kommen Hebel, Übernachtfinanzierung und anbieterspezifische Ausführungsregeln hinzu.
Welche Produkte und Schutzregeln verfügbar sind, hängt von Land, Anbieter und Kundenklassifizierung ab. Die Regeln eines regulierten Privatkunden-CFD-Kontos lassen sich nicht einfach auf ein Offshore-Konto oder ein Futures-Konto in einer anderen Rechtsordnung übertragen. Prüfen Sie daher den konkreten Rechtsträger und das Produkt. Ein Markenlogo oder die pauschale Aussage, der Anbieter sei reguliert, reicht nicht aus.
Gleiches mit Gleichem vergleichen
Eine aussagekräftige Vergleichstabelle erfasst Nominalbetrag, Margin, Eigentum oder Lieferung, Laufzeit, Finanzierung, Provisionen, Spread, Gegenparteirisiken und Kontoschutz. Vergleichen Sie dabei dieselbe Währungsposition über dieselbe Haltedauer. Wer nur auf die Mindesteinzahlung schaut, kann einen stärker gehebelten Vertrag fälschlich für günstiger halten und übersehen, wie empfindlich das Konto auf Kursbewegungen reagiert.
Wählen Sie für eine Lernübung einen fiktiven Importeur und erklären Sie, welche Unsicherheit jedes Instrument verändert. Betrachten Sie dies nicht als Produktempfehlung. Reale Absicherung und die Eignung von Derivaten umfassen rechtliche, steuerliche, bilanzielle und liquiditätsbezogene Fragen, die über einen kurzen Artikel hinausgehen. Nach dieser Lektion sollten Leser bessere Vertragsfragen stellen können, nicht die Produktformen für austauschbar halten.