Unsichere Zahlungsströme absichern, ohne eine neue Wette einzugehen
Nutzen Sie Exposure-Schätzungen, Absicherungsquoten und zeitliche Szenarien, um eine Währungsabsicherung im Zusammenhang mit dem zugrunde liegenden Geschäft zu bewerten.

Zuerst den Zahlungsstrom definieren
Eine Absicherung setzt bei einem bereits vorhandenen Risiko an, etwa einer Fremdwährungsrechnung, einer künftigen Betriebsausgabe oder dem Wert eines Vermögensgegenstands. Beschreiben Sie Betrag, erwarteten Zahlungstermin, Berichtswährung und Verlässlichkeit der Schätzung. Eine vertraglich vereinbarte Forderung ist etwas anderes als eine Umsatzprognose, die möglicherweise nie zu einer Zahlung führt. Eine vollständige Absicherung kann daher je nach Sicherheit des zugrunde liegenden Geschäfts sehr unterschiedliche Folgen haben.
Das Ziel kann ein verlässlicheres Budget sein, nicht der höchstmögliche Gewinn aus dem Sicherungsvertrag allein. Ein Forward mit negativem Ergebnis kann dieses Ziel trotzdem erfüllen, wenn die zugrunde liegende Einnahme durch den Wechselkurs entsprechend an Wert gewinnt. Beurteilen Sie deshalb das gemeinsame wirtschaftliche Ergebnis. Dessen Wirkung muss zudem nicht genau mit der bilanziellen Darstellung einzelner Positionen übereinstimmen.
Nicht jedes Währungsrisiko ist ein konkreter Zahlungsbetrag. Transaktionsrisiko betrifft etwa eine fällige Rechnung; Umrechnungsrisiko entsteht bei der Übertragung ausländischer Abschlüsse in die Berichtswährung. Wirtschaftliches Währungsrisiko betrifft längerfristig Absatz, Preise und Kosten. Ein Forward auf die nächste Rechnung kann das erste Risiko verringern, ohne die beiden anderen zu beseitigen. Benennen Sie deshalb, welche Unsicherheit die Absicherung tatsächlich adressiert.
Eine Quote wählen, die Unsicherheit berücksichtigt
Die Absicherungsquote beschreibt, welcher Anteil des geschätzten Währungsrisikos ausgeglichen wird. Eine Teilabsicherung lässt einen Rest an Kursschwankungen bestehen, verringert aber das Risiko, einen unsicheren Zahlungsstrom zu stark abzusichern. Ein fest vereinbarter Betrag kann eine andere Behandlung erfordern als eine unsichere Prognose. Es geht darum, die Absicherung zum Risiko passend zu gestalten, nicht um einen für alle Situationen richtigen Prozentsatz.
Prüfen Sie vor dem Einsatz von Derivaten natürliche Gegenpositionen. Erhält ein Unternehmen Euro und bezahlt zugleich Lieferanten in Euro, kann das Nettorisiko kleiner sein als der Bruttoumsatz vermuten lässt. Die Termine bleiben jedoch wichtig: Ein Zahlungseingang sechs Monate nach einer Ausgabe finanziert die frühere Zahlung nicht automatisch. Betrags-, Termin- und Währungsrisiko sollten deshalb getrennt betrachtet werden, statt in einer einzigen Jahressumme zu verschwinden.
Ein Erwartungswert ist kein sicherer Mindestbetrag. Besteht eine Wahrscheinlichkeit von 70 %, dass 100.000 Euro eingehen, und von 30 %, dass nichts eingeht, beträgt der erwartete Eingang 70.000 Euro. Ein Forward über 70.000 Euro wäre im zweiten Fall jedoch vollständig ungedeckt. Entscheidend ist daher auch die Verteilung möglicher Beträge und die Kosten einer Anpassung, nicht allein der Durchschnitt der Prognose.
Unterschiedliche Instrumente verschieben unterschiedliche Risiken
Ein Forward kann einen Wechselkurs für einen festgelegten Nominalbetrag und Termin sichern; entscheidend bleiben Vertrag und Gegenparteiregelungen. Futures arbeiten mit standardisierten Stückelungen und laufenden Ausgleichszahlungen, der Variation Margin. Eine Option kann gegen Zahlung einer Prämie einseitigen Schutz bieten. Wie weit dieser reicht, hängt von Basispreis, Laufzeit und Ausübungsbedingungen ab. Keines dieser Instrumente beseitigt sämtliche unternehmerischen Unsicherheiten.
Eine scheinbar exakte Absicherung kann dennoch Liquiditätsdruck erzeugen. Ein Derivat kann Sicherheiten verlangen, bevor die zugrunde liegende Rechnung bezahlt wird. Für ein Unternehmen mit begrenzter Liquidität kann dieses Timing selbst bei starkem endgültigem wirtschaftlichem Ausgleich wichtig sein. Beziehen Sie Sicherheiten- und Abwicklungsszenarien ein, statt das endgültige Wechselkursergebnis als einzige relevante Zahl zu behandeln.
Die Wirkung lässt sich mit einer Formel zeigen. Bezeichnen A den tatsächlichen Euroeingang, H den verkauften Forwardbetrag, F den Terminkurs und S den späteren Kassakurs in Dollar je Euro. Vor Kosten betragen die gesamten Dollarerlöse H × F + (A − H) × S. Bei H = A verschwindet das Kassakursrisiko. Ist H größer als A, wird der Faktor vor S negativ: Ein stärkerer Euro verteuert dann die Beschaffung des fehlenden Betrags.
Das sich verändernde Engagement verfolgen
Storniert ein Kunde die Hälfte eines Auftrags, kann eine unverändert große Absicherung eine eigenständige spekulative Überposition erzeugen. Verschiebt sich der Zahlungstermin, wird der Sicherungsvertrag möglicherweise fällig, bevor das Geld eingeht. Eine vorzeitige Auflösung oder Verlängerung hat Kosten und operative Folgen. Eine Absicherungsstrategie braucht deshalb laufende Überprüfung und klare Anpassungsregeln, nicht nur einen anfänglichen Abschluss.
Erfassen Sie in einem Übungsblatt die ursprüngliche Prognose, den fest zugesagten Betrag, den tatsächlichen Betrag, den Derivatenominalwert und die Fälligkeit. Begründen Sie jede Anpassung mit den damals verfügbaren Informationen. Bewerten Sie die ursprüngliche Entscheidung nicht anhand des endgültig erzielten Umsatzes, als wäre dieser sicher gewesen. Damit würde aus einem realistischen Unsicherheitsproblem ein künstlicher Rückblickvergleich.
Erfolg am festgelegten Ziel messen
Vergleichen Sie das abgesicherte Gesamtergebnis sowohl mit dem ungesicherten Ergebnis als auch mit dem ursprünglichen Budget. Berücksichtigen Sie Transaktionskosten und gegebenenfalls die Optionsprämie. Eine geringere Bandbreite möglicher Ergebnisse kann das gewünschte Ziel sein, selbst wenn die Absicherung bei einem günstigen Wechselkurs Gewinne begrenzt. Dass die Verringerung von Unsicherheit etwas kostet, bedeutet nicht automatisch, dass die Absicherung gescheitert ist.
Für private Auslandsanlagen gilt derselbe Grundgedanke. Eine Währungsabsicherung nimmt der Anlage nicht ihr eigenes Kursrisiko: Ein Aktienfonds kann stark fallen, obwohl sein Währungsrisiko vollständig ausgeglichen ist. Benennen Sie, welche Unsicherheit reduziert wird und welche bestehen bleibt. Die Übungsrechnung ersetzt weder die Prüfung des konkreten Vertrags und der geltenden Regeln noch die Berücksichtigung persönlicher Umstände.
Eine weitere Sensitivitätstabelle kann Einnahmenbeträge in Zeilen und künftige Kassakurse in Spalten darstellen. Berechnen Sie in jeder Zelle gemeinsame Erlöse unter derselben festen Absicherung. Das zeigt verbleibende Währungsunsicherheit und den Punkt, an dem der Vertrag die Einnahme übersteigt, ohne eine Prognose des wahrscheinlichsten Wechselkurses zu benötigen.